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Dieses Thema hat 3 Antworten
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 Historisches Forum
Stephan Offline




Beiträge: 137

31.01.2021 17:23
Depot Bénestroff Antworten

Vorwort
Dieser Beitrag erschien 2014 bereits im Histotrischen Forum bei DSO. Ich musste allerdings feststellen, dass inzwischen die Bilder nicht mehr verfügbar sind. Ich meine, dass dieser Bericht hier im „französischen Forum“ einen würdigen Platz erhalten wird.

Als ich damals 2014 (und bereits schon mal im Jahr 2012) in Bénestroff weilte und mich auf die Suche nach dem „Lost-Place“ begab, war dieser nichts weiter als ein grauer Fleck im Wald. Inzwischen musste ich feststellen, dass er sogar auf Google Maps verzeichent ist und mit Fotos hinterlegt wurde. Das war zu der Zeit noch anders. Ich besaß damals auch noch kein Smartphone oder Tablet und hatte mir vor unserem Urlaub die Lage in etwa gemerkt.
Diese war wie folgt:

(Quelle: Google Maps)

Hier nun der Original-Bericht:

Depot Bénestroff

Mein Interesse an den Eisenbahn in Frankreich ließ mich auf das Depot in Bénestroff (von 1871 - 1918 Bensdorf) aufmerksam werden. Das ursprüngliche Depot wurde nach Ende des 1.WK in Richtung Westen verlegt und als kompletter Neubau zwischen den Strecken nach Chateau-Salins und Dieuze errichtet. Zur Ausführung kam die Einheitsbauart PLM Typ G für den Ringlokschuppen, wie sie vielerorts in Frankreich zu dieser Zeit realisiert wurde.
Im (für mich) sehr interessanten Buch „Les Dépots Vapeur de l´Est“ (La Vie Du Rail-Verlag, 2010, Marcel Chavy und Oliver Constant) steht am Ende der Vorstellung dieses Depots, daß es heute noch existiert, aber es aufgrund des dichten Bewuchses und der Unzugänglichkeit, unmöglich sei Fotos davon zu zeigen. Dies weckte meine Neugier und bereits vor einigen Jahren (Mai 2012) machte ich mich während eines Urlaubsaufenthaltes auf die Suche. Ich ging auf der ehem. Trasse Richtung Chateau-Salins gen westliche Richtung, doch dichter Bewuchs bei den Gleisen und aufkommender Regen ließen mich von meinem Vorhaben damals abbringen.
Wie ich auf der Maps-Seite im Nachhinein erkennen konnte war ich auch zu zentral gelaufen, ich hätte mich eher links Richtung Süd-Westen halten müssen und vielleicht wäre eine Annäherung von südlicher Seite durch den Wald die bessere Lösung gewesen.

Jetzt (2014), wieder Urlaub und zwei Jahre später nach dem ersten Versuch, versuchte ich es noch einmal. Ich meinte mich besser vorbereitet zu wissen und starte von der Waldseite aus südlicher Richtung. Hier befindet sich derzeit eine Zufahrt zur TGV-Baustelle (inzwischen abgeschlossen) und ich konnte den Weg schon mal ein bisschen verkürzen. Ich lief schließlich von dieser Zufahrt in einen Waldweg, querte die Strecke nach Dieuze/Avricourt und stieß wieder auf die noch umfangreichen Gleisanlagen Richtung Chateau-Salins. Ich hielt mich möglichst weit links und der Weg auf der ehem. Trasse wurde immer dichter und und unzugänglicher, ehe er nur noch als Pfad zu bezeichnen ist. Ich hielt immer Ausschau, aber der dichte Bewuchs, der zudem noch in voller Blüte Stand, machte keine Aussichten möglich.

Ich muß wohl schon eine Meter parallel zum ehem. Depot gelaufen sein, ehe es sich wie ein verwunschenes Märchenschloss neben mir auftat:



Bild 1 – Blick von der Trasse



Bild 2 – Auch der zweite Blick bestätigt, daß hier seit Jahrzehnten die Natur regiert



Bild 3 – Ich querte einmal den Lokschuppen und stehe auf der anderen Seite (etwa Anfang Drehscheibe – ein Weiterkommen war aufgrund des Bewuchses nicht möglich)



Bild 4 – Blick zur Dachkonstruktion (Stahlbeton) – diese hatte doch schon bessere Zeiten gesehen und der Aufenthalt im Lokschuppen ist nicht ganz ungefährlich



Bild 5 – Der 13ständige Lokschuppen in seiner vollen Ausdehnung



Bild 6 – Die anschließende Werkhalle – in französischer Literatur immer als „Atelier“ bezeichnet mit Nebenräumen wie Büros, Umkleiden, etc.



Bild 7 – Hier ist die Natur noch mehr als im Lokschuppen Herr der Dinge



Bild 8 – Blick in Richtung Ringlokschuppen



Bild 9 – Sogar Gleise liegen hier noch



Bild 10 – Die Shed-Dachkonstruktion des „Ateliers“



Bild 11 – Blick vom „Atelier“ nach Draußen auf den Lokschuppen... Hier sieht man deutlich wie weit sich die Natur ihr Terrain zurückerobert hat.



Bild 12 – Nochmal Werkhalle



Bild 13 – Blick im Lokschuppen Richtung Drehscheibe. Gut zu erkennen die ansprechende Stahlbetonkonstruktion der 1920er Jahre. Man sieht aber auch die deutlich freiliegende Bewehrung des Stahlbetons. Jeder Statiker würde die Hände über den Kopf zusammenschlagen... Wahrscheinlich sogar zu Recht...



Bild 14 – Augen schließen und sich hier eine 230F (P8) oder 232 TC (T18) vorstellen, die entweder als Waffenstillstandsloks nach Frankreich kamen oder von der EL übernommen wurden und hier in größeren Stückzahlen stationiert waren...

Für alle Interessierten, über den Bahnhof Bénestroff gibt es auch auf Deutsch einen Wikipedia-Beitrag - siehe hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_B%C3%A9nestroff

Und noch ein Hinweis allgemeiner Art: Die Konstruktion des Depots ist augenscheinlich stark in Mitleidenschaft gezogen. Freiliegende Bewehrung der Stahlbetonkonstruktion zeigen dies deutlich. Nachahmer sei empfohlen nach eigenem Ermessen zu erwägen, das Gebäude zu betreten oder nicht.

Ich hoffe, die kleine Zeitreise nach Lothringen hat euch gefallen.

Viele Grüße,

Stephan!

Trainbleu Offline




Beiträge: 165

08.02.2021 12:27
#2 RE: Depot Bénestroff Antworten

Hallo Stephan,

Sehr interessanter Bericht über ein Depot quasi vor meiner Haustür.
Tolle Photos, Danke dafür . Man lernt nie aus.

Herzliche Grüße und bleibt gesund
Volker

Stephan Offline




Beiträge: 137

09.02.2021 23:04
#3 RE: Depot Bénestroff Antworten

Hallo Volker

wenn dem so ist, dann versuch mal Dein Glück. Könnte ein schöner Wochenendausflug werden . Wäre auch gespannt, wie es heute dort aussieht. Meine Bilder sind ja auch schon 6 Jahre alt.

Und wenn Du es nicht bis zum Depot schaffst, in Bénestroff am Bahnhof dürfte immer was los sein

Ich hab mal die Gunst der Stunde genutzt und noch ein bisschen recherchiert.

Im folgenen ein paar Luftaufnahmen, allesamt dem Portal 'remonterletemps' entnommen (https://remonterletemps.ign.fr/)



Bild aus dem Jahr 1946. Das Depot war noch aktiv, die 2. Drehscheibe ist gut zu erkennen (nur Freistände) und auch das Überwerfungsbauwerk mit Wechsel von Rechts- auf Linksverkehr ist gut zu erkennen
(Quelle: https://remonterletemps.ign.fr/telecharg...issions.4972617)
(Ergänzungen Beitragsverfasser)



Bild aus dem Jahr 1958. In der Zeit muss das Depot aufgelöst worden sein. Die 2. Drehscheibe ist scheinbar schon nicht mehr aktiv.
(Quelle: https://remonterletemps.ign.fr/telecharg...issions.4982745)


Bild aus dem Jahr 1967. Die Vegetation greift im Bereich der 2. Drehscheibe schon um sich.
(Quelle: https://remonterletemps.ign.fr/telecharg...issions.4978701)


Bild aus dem Jahr 1979. Die Natur holt sich das Areal zurück.
(Quelle: https://remonterletemps.ign.fr/telecharg...issions.4984600)

Und hier noch ein interessanter YouTube Link. Das Depot mit einer Drohne aufgenommen 2017:
https://www.youtube.com/watch?v=OLFwFbvjQJk

Wenn ich so sehe, wie nah eigentlich der Waldrand ist und wie weit das Dickicht vor zum Bahnhof reicht, dann hab ich da wohl den kompliziertesten Weg der "Anreise" genommen...

Gruß, Stephan

P.S.:
Ergänzend noch zwei Links zu historischen Bildern des Depots.
Einmal ca. 1925 http://railtrash.jalbum.net/Benestroff/s...P.Maillet2.html
Und hier im Jahr 1976 http://railtrash.jalbum.net/Benestroff/s...76%20kopie.html

Trainbleu Offline




Beiträge: 165

09.02.2021 23:31
#4 RE: Depot Bénestroff Antworten

Hallo Stephan,

vielen Dank für das Update vom Depot Bénestroff.
Sobald man wieder reisen kann, würde ich es mir gerne mal ansehen. Warten wir es ab.

Und extra Danke für die Links.

Herzliche Grüße und bleibt gesund
Volker

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