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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 111 mal aufgerufen
 Spur H0
Mistral 61 Offline



Beiträge: 21

23.02.2021 18:25
Luxemburgische Güterwagen Antworten

Hallo,

Seit Sonntag morgen erst Kenntnis von diesem Forum, sofort begeistert, seit gestern neues Mitglied, habe ich gleich mal ein Frage an die BeNeLux- und Frankreich- Spezialisten:

Wurden denn die Güterwagen deutschen Ursprungs bei der CFL, SNCF, NS oder SNCB nach '45 entsprechend umgerüstet und an die Richtlinien der neuen Eigentümer angepasst?
Deutsche Signalstützen gegen französische ausgetauscht, Rangierertritte abgebaut etc. ? Oder fuhren die in der Ursprungsausführung einfach weiter? Die CFL hat ja scheinbar Ihre Waggons in Grau (um-) lackiert, die SNCB in Grün, wenn man den Rocco Modellen glauben schenken darf

Weiß jemand näheres?

Ende der Woche stelle ich mich mal ausführlicher vor. Bis dann...


Jürgen

Stephan Offline




Beiträge: 137

23.02.2021 21:44
#2 RE: Luxemburgische Güterwagen Antworten

Hallo Jürgen

und willkommen im Forum!

Also, vorweg gleich eines... traue niemals einem Modellbahnhersteller!

Du sprichst die Zeit nach 1945 an, und - egal wo in Mitteleuropa - hatte der Großteil der Bevölkerung und auch die Eisenbahnen sicherlich andere Probleme als Loks und Wagen umzulackieren (Eigentumsanschriften ist was anderes, da waren alle recht schnell ). Es galt damals sicherlich erst einmal die Infrastruktur wieder herzustellen und zum Laufen zu bringen. Ich gehe aber davon aus, dass bei der nächsten anstehende Revision die Wagen länderspezifisch angepaßt wurden. Dazu KANN auch die Umlackierung in das jeweils gängige Farbschema gehört haben, vornehmlich sicherlich aber technisceh Anpassungen. Das mit dem Grün für Belgein und Grau für die CFL kann dann schon umgesetzt worden sein.

Als Gegenbeispiel dazu fällt mir spontan ein, dass preuß. T14 (Baureihe 93.0) der DR (DDR) ca. Anfang/Mitte der 50er Jahre noch SNCB Beschriftung trugen, da war der Krieg fast 10 Jahre zu Ende. Wie kam das? Die T14 kamen 1919 als Waffenstillstandloks zur SNCB. Als 1940 Nazideutschland Belgien besetzte, erinnerte man sich natürlich an die Loks (und nicht nur an die T14 sondern auch einige andere ehem. Länderbahnloks), die im Reich dringend gebraucht wurden und die ja beim Personal im Deutsche Reich als solche bekannt waren. Man kassierte also die Loks ein (bei der T14 waren das immerhin 56 Stück - musste ich aber nachschauen ), und verteilte sie im Deutschen Reich auf die Dienststellen. Offiziell mietete die Deutsche Reichsbahn diese an, doch man müsste mal bei der SNCB nachfragen, ob die Überweisung seinerzeit ankam ... Nach Kriegsende gingen diese im Normalfall wieder zu ihrer ehem. Bahngesellschaft zurück. So auch der Großteil der SNCB Loks, manche auch noch bis zu 5 Jahre nach Kriegsende. Doch in diesem speziellen Fall der T14 (Reihe 97 bei der SNCB) verblieben einige der Belgierinnen auf dem Gebiet der Sowjetzone und fanden den Weg nicht mehr zurück. Diese trugen (mWn) alle noch eine Zeit lange ihre belgischen Beschriftungen. Teilweise eben bis Anfang / Mitte der 50er Jahre, manchmal wurde auch die neue Reichsbahnnummer nur aufgemalt. Diese belgischen T14 hatten in den gut 20 Jahren wo sie bei der SNCB fuhren bspw. einen recht markanten Kohlekastenaufsatz erhalten. Die Loks behielten diesen natürlich auch zu DR Zeiten.
Doch die T14 ist nur ein Beispiel von vielen (ist mir nur gerade eingefallen, es gab auch diverse andere Baureihen, wo es solche Fälle gab). 1919 gingen die Loks als Waffenstellstandloks vor allem nach Frankreich, Belgien und Polen. 1939/40 dann wieder zurück ins Reich (mitsamt den Umbauten der ehem. Eigentümer) und - im Normalfall - nach 1945 an eben jene wieder zurück (in den 5 Jahren können diese auch wieder Umbauten von Seiten der DR erhalten haben).
Nach eben jenem Prinzip sind ja auch ehem. Nord-Wagen (Rapides Nord / Express Nord) oder Wagen italienischen Ursprungs bei der DR der DDR verblieben. Man brauchte schlichtweg das Material und wenn das niemand einforderte oder vielleicht auch vergaß, dann behielt man das eben und machte seine Eigentumsmarke drauf .

Ähnlich lief es auch 1919 ab, als in Frankreich und Belgien die Waffenstillstandloks (und Wagen) ankamen. Da gibt es Bilder wo noch in den 1930er Jahren bspw. die KPEV Plakette am Wasserkasten zu sehen ist. Umbeschriftet am Führerhaus wurden die Loks natürlich schon...
Oder weiteres Beispiel, Gründung SNCF 1938 und Umbeschriftung. Im Regelfall wurde das recht gewissenhaft umgesetzt, doch es gibt Bilder wo in den 1950er Jaren manche Loks noch die NORD-Plakette an der Rauchkammertür tragen. Vielleicht wurde das in dem Fall auch ein bisschen aus Stolz heraus gepflegt, ich weiß es nicht...

Nur, um wieder auf Deine Frage zurück zu kommen (Sorry, bin etwas abgeschwiffen), möglich war vieles! Technisch denke ich, hatte man die Umstellung eher gemacht als optisch, zumindest kurz nach dem Krieg. Eigentumsvermerk drauf, das war die Hauptsache. Optisch hat man das Rollmaterial dann sicherlich auch dem jeweiligen Landesschema angepasst, aber ob die Modellbahnindustrie da immer so richtig liegt bezweifle ich da jetzt mal Diese würde ich nicht als Maßstab heranziehen.

Generell könnte man ein Buch über das Thema schreiben... Mir fehlt leider die Zeit

Gruß, Stephan

Trainbleu Offline




Beiträge: 165

23.02.2021 22:34
#3 RE: Luxemburgische Güterwagen Antworten

Hallo Jürgen,

Herzlich Willkommen im Forum. Wir freuen uns über jedes neue Mitglied das dieses Forum noch lebendiger gestaltet.


Hallo Stephan,

Klasse recherchierter Artikel mit einem Haufen an Informationen und trotz des umfangreichen Themas verhältnismäßig kurz gehalten. Danke.


Gruß
Volker

Mistral 61 Offline



Beiträge: 21

24.02.2021 19:40
#4 RE: Luxemburgische Güterwagen Antworten

Hallo,

danke für die Antworten. Vielleicht kan unser luxemburgísches Mitglied Licht ins Dunkel bringen....

Welche Farben hatten die ursprünglich für die CFl und SNCB gebauten Güterwaggons bis '39?
Waren die nun Grau bzw Grün und welche Form der Signalstützen trugen diese ursprünglich? Orientierte man sich da an Frankreich? Deutschland? Oder hatte man da ein eigenes System?
SNCf Waggons hatten meines Wissens ja keine Rangierertritte, oder? OCEM Wagen der "Ancien reseaux" hatten in Ursprungsausführung lt. den mir bekannten Bildmaterial keine - was die Frage aufwirft, wo die Rangierer bei geschobenem Zug mitgefahren sind? Auf den Trittbrettern in Wagenmitte?

Jürgen

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