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Dieses Thema hat 12 Antworten
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 Historisches Forum
Stephan Offline




Beiträge: 137

13.02.2021 13:49
Die Bahnhöfe von Avricourt Antworten

Bevor ich mit der Geschichte über die Bahnhöfe im kleinen lothringischen Dorf Namens Avricourt beginne, bedarf es eines Blickes zurück ins Jahr 1871. Der Deutsch-Französische Krieg war beendet und im Frieden von Frankfurt wurden die deutschsprachigen bzw. überwiegend deutschsprachigen Gebiete des Elsaß und ein Teil Lothringes als „Reichsland Elsaß-Lothringen“ dem Deutschen Staatenbund angeschlossen.
Die Gründe hierfür mögen vielfältig gewesen sein, Fakt ist jedoch, dass dies ein Zankapfel zwischen den beiden Nationen sein sollte, der im späteren Verlauf der Geschichte noch mehrmals eine weitere Rolle spielen sollte... Doch bleiben wir im Jahr 1871.

All diese Veränderungen im Leben der Menschen, hatten beträchtliche Auswirkung auf unseren Ort, Avricourt. Dieser war ursprünglich eine kleine Unterwegsstadion an der wichtigen Ligne 1 (Paris – Straßburg) die von der EST 1852 eröffnet und betrieben wurde. Dies änderte sich 1864 als die Strecke ins nordwestlich gelegene Dieuze fertiggestellt wurde und auch 1870, als die private ABC-Bahn die Strecke nach Cirey in Betrieb nahm (ABC = Avricourt – Blamont – Cirey, siehe auch Loco Revue 01/2021). Der kleine Ort hat sich also in diesen Jahren zu einem ganz ansehnlichen Knotenpunkt entwickelt.

Avricourt gehörte zum Kreis Sarrebourg und jener sollte laut Friedensvertrag vom 10. Mai 1871 komplett dem neu entstandenen Reichsland angeschlossen werden. Frankreich legte hierbei Protest ein, da dies nun gravierende Folgen für den Bahnbetrieb hatte. So war die erst kürzlich eröffnete ABC-Linie von der Grenzziehung betroffen und würde einen sinnvollen Betrieb so nicht möglich machen. Somit gab Deutschland die Gemeiden Igney (auf deren Gebiet die betroffene Linienführung der ABC-Linie lag) und den Bahnhofsbereich von Avricourt mitsamt dem südlich liegenden Ortsteil an Frankreich zurück. Avricourt wurde somit geteilt und wurde nun zum Grenzbahnhof, zumindest was Frankreich anging.
Im Gegenzug musste Frankreich für den Bau eines Grenzbahnhofs auf Deutscher Seite aufkommen, da der ursprünglich vorgesehene Bahnhof (gemeint: Igney-Avricourt) bei Frankreich verblieb. Der 1875 eröffnete Bahnhof trug den Namen „Deutsch-Avricourt“ (ab 1915 „Elfringen“ und ab 1919 „Nouvel-Avricourt“) und es entstanden im Zuge dessen auch weitläufige Bw-Anlagen im neuen Teil des Ortes, mitsamt Eisenbahnersiedlung und evangelischer Kirche für siedlungswillige Bahner aus dem Altreich.
Auch eine Verbindungskurve auf deutschem Gebiet von der Ligne 1 zur Nebenstrecke nach Dieuze (dt. Duss) wurde in späteren Jahren gebaut, um ein Kopfmachen im französischen Igney-Avricourt zu vermeiden. Sicherlich spielten hier auch strategische Gründe eine Rolle.

In der Praxis galt es noch ein weiteres Problem zu lösen. Das Deutsche Reich führte im Reichsland wie im übrigens Reichgebiet den Rechtsverkehr ein. Das war zu diesem Zeitpunkt (gemeint 1871) noch relativ unproblematisch, da es nur wenig zweigleisige Strecken gab. In Frankreich jedoch galt Linksverkehr. In den ersten Jahren wurde dies dadurch gelöst, dass die französischen Züge der EST bis nach Deutsch-Avricourt fuhren, dort jeder Aussteigen musste und der Zug den guten Kilometer leer zurück nach Igney-Avricourt fuhr. Nach den Grenzkontrollen mussten die Reisenden dann in einen Zug der EL (Reichseisenbahnen Elsaß-Lothringen) umsteigen und ihre Reise fortsetzen. In Avricourt werden die wenigsten ausgestiegen sein...
Erst 1883 gab es den ersten durchgängigen Zug mit Lokwechsel, den Orient-Express. Wie dies in den folgenden Jahren gehandhabt wurde, ob es weitere durchgängige Züge gab und wo der Lokwechsel bei Güterzügen stattfand, dazu kann ich leider nichts sagen. Aber vielleicht weiß ja einer der Forennutzer mehr dazu und läßt es uns wissen.
Richtig problematisch wurde es erst als „Elsaß-Lothringen“ nach Ende des 1. Weltkrieges wieder zurück an Frankreich ging. Es galt jetzt den Übergang von Rechts- auf Linksverkehr zu lösen, denn es wäre jetzt ein immenser Aufwand gewesen das inzwischen angewachsene Eisenbahnnetz wieder umzustellen. Die Lösung fand man dann in den sog. Überwerfungsbauwerken (franz.: saut de mouton – der Begriff kommt wahrscheinlich von saute-mouton, zu Deutsch: Bocksprung), die nachträglich an den zweispurigen Hauptstrecken eingebaut wurden. In unserem Fall an der Ligne 1 war dies im Jahre 1925 bei Imling, etwa 15km nord-östlich von Avricourt in Richtung Sarrebourg.

Dies ist als Hintergrundwissen für den nun anstehende Besuch des Bahnhofs wichtig, um den Kausalzusammenhang verstehen zu können. Ich selbst war jeweils im Mai 2011, 2012, 2014 und Ende Juli 2020 vor Ort und hatte natürlich auch desöfteren Aufnahmen der noch verbliebenen Bahnanlagen gemacht.
Im folgenden möchte ich nun diese sehr kuriose Situation vorstellen bzw. das zeigen, was davon noch übrig ist. Der Bahnhof Igney-Avriocourt ist inzwischen nur noch ein Haltepunkt, während der große Bruder auf ehemals Deutscher Seite seit 1969 brach liegt.

Diese Aufteilung der einst einheitlichen Gemeinde Avricourt in zwei Teile wurde übrigens so beibehalten. Heute gehört Igney-Avricourt zum Departement „Meurthe-et-Moselle“ und Nouvel-Avricourt zum Departement „Moselle“.

Hier vorab ein paar Übersichten aus diversen Kartenwerken.


01 – Schematische Darstellung der Bahnhöfe Igney-Avricourt und Deutsch-Avricourt bzw. Nouvel-Avricourt. Die Entfernung der beiden Bahnhöfe zueinander beträgt in etwa 1,3km. Das Bild ist gedreht und ich habe zur besseren Orientierung einen Nordpfeil ergänzt.
(Quelle: Wikipedia http://p6.storage.canalblog.com/65/49/34582/41982178.jpg, PD-alt-100, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=9385798 – Ergänzungen Beitragsverfasser)



02 – Übersicht aus der Openrailwaymap mit Ergänzungen
(Quelle: https://www.openrailwaymap.org/)



03 – Übersicht aus remonterletemps mit in etwa gleichem Kartenauschnitt und Ergänzungen (Stand ca. 1938)
(Quelle: https://remonterletemps.ign.fr/telecharg...issions.4978240)



04 – Nähere Betrachtung des Bahnhofsbereiches von Igney-Avricourt. Gut zu erkennen, die ehem. Straße, die den Bahnhofsbereich kreuzte aber jetzt durch eine Fussgängerbrücke und eine Straßenbrücke weiter östlich ersetzt wurde. Auch die Güteranlagen sind beträchtlich im Ausmaß.
(Quelle: https://remonterletemps.ign.fr/telecharg...issions.4978240)



05 – Der Bahnhofsbereich von Nouvel-Avricourt (ehem. Deutsch-Avricourt) mitsamt Bw-Bereich. Auch gut ersichtlich, die Strecke nach Dieuze, die quasi über den Bahnhofsvorplatz verläuft. Der Bahnhof ist sozusagen ein Keilbahnhof, wobei die Strecke nach Dieuze vorher da war. Auch gut zu erkennen, die Siedlung die mit dem Bahnhof entstanden ist (auch oftmals als „Kolonie“ in diversen Quellen bezeichnet).
(Quelle: https://remonterletemps.ign.fr/telecharg...issions.4978240)



06 – Kommen wir zu den Bildern...Igney-Avricourt um ca. 1900 – eine historische Postkarte von der es recht viele gibt (von beiden Bahnhöfen). Der Fotograf steht hier auf dem niveaugleichen Übergang vor den Zollgebäuden. Links sieht man ein Bahnbedienstetengebäude (wahrscheinlich Schrankenwärter), dahinter den Bahnhof. Mittig ist das Zollabfertigungsgebäude der Franzosen zu erkennen.
(Quelle: Sammlung Beitragsverfasser)



07 – Eine Postkarte aus dem Netz. Der Fotograf steht an etwa gleicher Stelle nur 90° gegen den Uhrzeigersinn gedreht in Richtung französischem Teil des Ortes. (Blick gen Süden). Er düfte ziemlich genau auf der damaligen Grenze stehen. Im Hintergrund sind die für Frankreich charakteristischen Schiebegitter des Bahnüberganges zu erkennen.
(Quelle: http://www.blamont.info/zoom.html?images...ere/carte02.jpg)



08 – Wieder in etwa die gleiche Position, nur um 180° gedreht in Richtung Deutschem Teil des Ortes (Blick gen Norden). Hier stehen beide Grenztrupps nebeneinander gemeinsam zum Bild aufgereiht. Links die Franzosen, mittig bzw. rechts die Deutschen. Die Zöllner scheinen in die Karte kopiert worden zu sein, da keinerlei Schattenwurf zu sehen ist. Die Plakette mit dem Adler des Reichslandes ist gut zu erkennen.
(Quelle: Sammlung Beitragsverfasser)



09 – In etwa gleiche Position im Jahre 2011 mit Blick in Richtung Luneville / Nancy (Paris). Ich stehe auf der Fussgängerbrücke, die wahrscheinlich in den 1920er bzw. frühen 1930er Jahren errichtet wurde (auf den Luftaufnahmen von remonterletemps ist diese ja bereits ersichtlich). Das Stationsgebäude und auch das ehem. Schrankenwärterhaus sind noch gut zu erkennen, doch der Bahnübergang und die Zollabferigungsgebäude in mitten des Areals sind natürlich längst Geschichte, statt dessen laufen nun mittig die Durchgangsgleise. Der Individualverkahr läuft über die weiter östlich errichtete Brücke (im Prinzip hinter mir). Diese ist angeblich in den Nachkriegsjahren entstanden. Ganz sicher weiß ich es nicht, denn bei Remonterletemps ist diese 1935 auch schon verzeichnet. Im Hintergrund sind die weitläufigen Gleisanlagen noch gut ersichtlich, aber wohl schon länger nicht mehr in Betrieb.



10 – Stilleben mit Zugrichtungsanzeiger. Die Fussgängerbrücke ist gleichzeitig auch der Zugang zu den Gleisen.



11 – Hier die andere Richtung.



12 – Vergleichsbild aus dem Jahr 2020, mit dem Unterschied, dass ich diesmal auf der Straßenbrücke stehe. Wenig hat sich geändert. Nur die beiden äußeren Gleise sind noch weiter zugewachsen.



13 – Blick in die Gegenrichtung, in Richtung Sarrebourg / Straßburg von der Fussgängerbrücke aus (die Straßenbrücke erkennt man im Hintergrund). Das schöne Weichenstellwerk ist im August 2011 noch vorhanden, wenn auch nicht mehr in Betrieb.



14 – Selber Blickwinkel im Jahr 2014. Rechts ist die Trasse der ehemaligen ABC-Bahn noch ersichtlich. Linkerhand fuhren einst Züge nach Dieuze und weiter nach Bénestroff. Auch diese Verbindung ist Geschichte. Das Stellwerk ist inzwischen verschwunden. Es wurde 2013 abgerissen. Siehe hierzu: https://www.estrepublicain.fr/societe/20...aris-strasbourg


Zeit den Standort zu wechseln. Gehen wir ca.1,3km in nord-östliche Richtung. Hier befindet sich der Bahnhof „Deutsch-Avricourt“, seit 1919 „Nouvel-Avricourt“.



15 – Hier der monumentale Bau ca. im Jahr 1900. Die Karte ist auf 1905 gestempelt (wenn ich es richtig erkenne). Das Motiv ist relativ bekannt und wurde auf einigen Postkarten gedruckt. Leider war es mir nicht möglich den genauen Loktyp zu bestimmen. Die Lok ist meiner Meiung nach eine EL-Maschine. Zuerst dachte ich an eine S4 mit DeGlehn-Vorläufer aus der Lokschmiede Grafenstaden. Doch ich meine das mit der S4 passt nicht. Die Achsfolge ist eindeutig 2C oder 230 wie man in Frankreich sagen würde. Der Zug ist kein normaler Personenzug, sondern eher eine Prestigeverbindung. Ist es vielleicht sogar der Orient-Express, der gerade aus Paris ankommt und eine EL Maschine vorgespannt bekommen hat? Oder irre ich mich und wir sehen hier eine EST Type, die (noch) vorm Zug hängt. Vielleicht weiß ja hier jemand mehr und kann helfen...
(Quelle: Sammlung Beitragsverfasser)



16 – Ich selbst war auf dieser Seite des Bahnhofs nur einmal im Jahr 2011. Hier die dazugehörige Ansicht.



17 – Als ich 2011 mich zum ersten Mal gen Avricourt aufmachte, wusste ich nicht, was mich erwartet. Ich hatte vorher kaum recherchiert, und wusste nicht, ob überhaupt noch was steht. Dann sah ich den Bahnhof bzw. das was noch davon noch vorhanden ist.... und ich war beeindruckt. Der Begriff „Lost.Place“ war damals noch nicht so geläufig wie heute, doch würde es das absolut treffen.
Der Bahnhof steht auch nicht mehr zur Gänze. Im Jahre 1915 wurde ein Flügel (der Richtung Sarrebourg) bei einer Offensive der Franzosen stark beschädigt. Gut, sie hatten ihn bezahlt, da haben sie ihn eben auch wieder zerstört, möchte man sagen... Seitdem steht nur noch der Mittelbau und der Teil in Richtung Igney-Avricourt.



18 – Im Jahr 2020 war die Situation kaum verändert.



19 – Andere Perspektive.



20 – Zeitzeugnis



21 – Der Bahnhofsvorplatz im Jahr 2020. Im Prinzip stehe ich auf der Trasse nach Dieuze und blicke in Richtung Bw-Anlagen. Rechts der Bahnhof, links die Siedlung.



22 – Hier die Siedlung selbst, auch oftmals als „Kolonie“ in diversen Publikationen bezeichnet, mit Blick zur evangelischen Kirche.



23 – Mit dieser historischen Ansicht auf den Bahnhof „Deutsch-Avricourt“ möchte ich den Bildteil abschließen. Der Fotograf steht ziemlich genau auf der ehemaligen Grenze. Im Vordergrund ist die Bahnlinie nach Blamont und Cirey zu sehen (ABC-Linie), die ein wesentlicher Grund für die Bahnhofsituation war. Ebenso wie der Zug im Hintergrund, scheinen die Zöllner ins Bild kopiert. Zudem dürften dies auch ausschließlich Deutsche Zöllner sein, was eher ungewöhnlich ist, denn auf fast allen Karten mit Bezug zur Grenze sind Französische und Deutsche Zöllner vereint abgebildet.
(Quelle: Sammlung Beitragsverfasser)

Ich hoffe, die kleine Zeitreise hat euch gefallen. Für Fragen, aber auch Kritik oder gar inhaltliche Verbesserungen, stehe ich gerne zur Verfügung.

Hier noch ein Linktip, falls jemand noch nicht genug hat. Die Seite 'info.blamont' hat eine umfangreiche digitale Sammlung an historischen Ansichtskarten. Hier gibt es insbesondere zur den Bahnhöfen bzw. zur Grenzsituation einiges an Karten zu sehen. Wer Lust hat, kann hier ausgiebig stöbern.

Grenzsituation: http://www.blamont.info/cartescantonavricourt41.html
Bahnhöfe: http://www.blamont.info/cartescantonavricourt.html

Gruß Stephan

Bernhard Offline




Beiträge: 272

13.02.2021 18:47
#2 RE: Die Bahnhöfe von Avricourt Antworten

Hallo Stephan,

alles sehr interessant. Vielen Dank für den tollen Beitrag! Ich glaube dieses Elsaß-Lothringen ist interessanter als ich dachte. Wohl eben wegen seiner politischen Geschichte und den damit verbundenen wechselnden Gesellschaften. Habe mich bisher nicht sehr mit dem Bereich der AL bzw. EL befasst, werde das aber jetzt nachholen

Viele Grüße
Bernhard

Trainbleu Offline




Beiträge: 165

13.02.2021 20:22
#3 RE: Die Bahnhöfe von Avricourt Antworten

Hallo Stephan,

Sehr interessanter Bericht, da kann ich Bernhard nur zustimmen. Auch etwas traurig wenn man an die ganzen menschlichen Tragödien denkt die dahinter stehen.

Photos 08 und 23 zeigen eindeutige Indizien einer Retuschierung. Wobei bei Nr. 23 anscheinend sogar der Grenzpfosten einretuschiert wurde. Anscheinend alles um den Menschen daheim im Reich zu zeigen "Hier sind wir und hier bleiben wir".

Der durch die Deutschen besetzten Provinzen Alsace/Lorraine/Moselle aus dem Krieg 70/71 entstandene "Rechtsverkehr" im Eisenbahnwesen wurde durch den enormen Aufwand im verbauten Signalwesen, der Schienenverlegung usw. bis in die heutige Zeit beibehalten. Ich erinnere mich, vor ein paar Jahren mit dem TGV nach Paris fahrend, daß der TGV durch die Departements Lorraine und Moselle rechts fuhr und erst beim Verlassen des Departements Moselle auf Linksverkehr umschwenkte.


Gruß
Volker

Bernhard Offline




Beiträge: 272

13.02.2021 20:57
#4 RE: Die Bahnhöfe von Avricourt Antworten

Hallo zusammen,

auf jeden Fall war Bild 8 ein beliebtes Motiv, es gab noch eine Karte von der gleichen Stelle, mit anderen Personen und zu einer anderen Jahreszeit (Baum hat weniger Laub, am Haus rechts hinten fehlt die blaue Markise, Fensterläden am Haus links sind geschlossen und div. andere Details): https://pictures.abebooks.com/inventory/30708367474.jpg

und hier 1910 im Winter, ohne Laub und neue Beschriftung am Haus links: https://en.geneanet.org/public/img/galle...26961/large.jpg

Viele Grüße
Bernhard

Trainbleu Offline




Beiträge: 165

13.02.2021 23:20
#5 RE: Die Bahnhöfe von Avricourt Antworten

Hallo zusammen,

das würde doch heißen, das Bild Nr. 08 eindeutig ein Fake ist und man es, je nach Lust und Laune sowie politischer Gesinnung, manipulierte. Oder sehe ich das falsch?

Auf jeden Fall sehr interessante Zeitzeugen diese Postkarten. Und uns Modellbahnern helfen sie, wenn es um vorbildgerechten Modellbau geht, eine ganze Menge.

Noch einmal Chapeau für diesen sehr gut recherchierten und bebilderten Bericht. Danke Stephan.


Gruß
Volker

Stephan Offline




Beiträge: 137

14.02.2021 00:14
#6 RE: Die Bahnhöfe von Avricourt Antworten

Hallo zusammen

Erstmal Danke Bernhard und Holger für Euer Feedback.

Ja, das mit den Postkarten ist in der Tat eine interessante Sache und ja, da wurde scheinbar gut manipuliert. Besonders deutlich wird dies sicherlich bei Bild 23 wo - da hast Du Recht Volker - auch noch der Grenzpfosten hineinretuschiert wurde. Im Prinzip ist diese Karte ein kompletter Fake, sicherlich auch wie richtig interpretiert, um Gebietsansprüche oder dgl. zu legitimieren.
Es gibt aber auch Karten französischem Ursprungs, wo eben jener Grenzpfosten ebenfalls zu sehen ist. Siehe hier: http://www.blamont.info/zoom.html?images...ere/carte72.jpg.

Interessant ist auch Perspektive von Bild 08. Ja, da wurde auch mit dem Motiv "gespielt". Mal hat das Haus links im Bild eine rein Französische Beschriftung, mal gar nichts (vermutlich rausretuschiert weil es nicht ins Bild gepasst hat, dass ein Haus auf deutschem Boden eine rein französische Beschriftung getragen hat oder aber es gab eine Übergangsphase, wo das Gebäude keine Beschriftung trug) und mal eine zweisprachige Beschriftung (z.B. auf dem von Dir, Bernhard, verlinktem Bild). Diese halte ich jedoch für authentisch, da diese auf mehreren Bildern zu sehen ist. Wahrscheinlich hat der Eigentümer diese so um 1900 ändern lassen oder die Nutzung des Gebäudes hat sich geändert.
Überhaupt halte ich das in Bernhards Beitrag verlinkte Bild für nicht nachbearbeitet. Sonst hätte man wahrscheinlich auch die Fässer im Vordergrund entfernt . Was es wohl mit diesen für eine Bewandtnis hat?

Ja, was man alles so aus alten Postkarten herauslesen und entdecken kann... schon interessant finde ich, vor allem, wenn man genauer hinschaut

Gruß, Stephan

Trainbleu Offline




Beiträge: 165

14.02.2021 09:24
#7 RE: Die Bahnhöfe von Avricourt Antworten

Hallo Stephan,

Ich halte, im Gegensatz zu dir, das von Bernhard verlinkte Bild mit den Fässern, sehr wohl für nachbearbeitet und zwar im Bereich der Hausbeschriftung. Diese ist zu klar, zu sauber, zu detailliert.
Ich vermute, daß die in den Beschriftungen erwähnten Personen/Firmen den Photographen sponserten um auf diese Weise etwas Werbung machen zu können.

Die Fässer sind wohl dem örtlichen Weinhandel zuzuschreiben.


Aber in allen Fällen sind diese Postkarten für uns wertvolle Zeitzeugen.


Gruß
Volker

Stephan Offline




Beiträge: 137

18.02.2021 22:06
#8 RE: Die Bahnhöfe von Avricourt Antworten

Hallo zusammen

als Ergänzung zu meinem bisherigen Beitrag habe ich noch eine weitere Karte ausgekramt. Diese zeigt gerade einen ankommenden Zug aus Paris (wenn man der Beschriftung Glauben schenken mag, denn wir wissen ja inzwischen, dass auf derart historischen Karten so manches zu hinterfragen ist ). Die Personengruppe könnte so dagestanden haben, könnte aber auch hineinkopiert worden sein. Wahrscheinlich ist es so, denn das Größenverhältnis lässt mich etwas stutzen, mehr jedoch der Fakt, dass diese alle keinen Schatten werfen. Egal, jedenfalls schön gemacht.
Die Lok jedoch sollte real sein und diese ist für mich zumindest, neben dem schönen Zollgebäude, der Blickfang.


(Quelle: Sammlung Beitragsverfasser)

Hier noch mal die Lok groß herausgenommen. Es ist eine Serie 4 der EST.




Gruß, Stephan

Trainbleu Offline




Beiträge: 165

18.02.2021 22:29
#9 RE: Die Bahnhöfe von Avricourt Antworten

Hallo Stephan,

Danke für deinen neuen Bericht über Avricourt. Wieder einmal interessant zu lesen und sich dabei in diese Zeit zurückversetzen lassen.
Und die EST Lok ist wirklich ein Blickfang. Weiß man genaueres wer sie gebaut hatte?


Gruß
Volker

Stephan Offline




Beiträge: 137

18.02.2021 22:55
#10 RE: Die Bahnhöfe von Avricourt Antworten

Hallo Volker

Ich hab auch schon mal ein bisschen recherchiert, aber leider nichts Verwertbares zur Lok herausgefunden. Scheint ne 021-Maschine zu sein. Gut, damals von der Achsfolge her nicht unbedingt unüblich. Aber sonst habe ich leider keine weiteren Informationen. Evtl. im SNCF-Archiv mal stöbern, was letzthin hier im Forum verlinkt wurde. Da bin ich aber leider noch nicht dazu gekommen.

Gruß, Stephan

Stephan Offline




Beiträge: 137

18.02.2021 23:15
#11 RE: Die Bahnhöfe von Avricourt Antworten

Hallo Volker und alle weiteren Interessierten!

Wer suchet, der findet . Hat mir dann doch auch keine Ruhe gelassen ... Also, dass es eine Serie 4 ist hatten wir ja schon (was wohl bei der EST die Achsfolge 021 bzw B1 charakterisiert, da ich verschiedene Bauarten gefunden habe) und die Loks dieser Serie trugen die Nummern 441 bis 485, Baujahr 1885, Verwendung vornehmlich für leichte Personenzüge.
Wenn ich mir die Karte oben im Bahnhof von Igney-Avricourt anschaue, dann meine ich (mit Lupe) eine 46x zu erkennen (letzte Zahl leider nicht entzifferbar), würde also passen...

Vergleichsbild von 'cparama':


(Quelle: https://www.cparama.com/forum/viewtopic.php?f=113&t=21235)

Gruß, Stephan

Bernhard Offline




Beiträge: 272

18.02.2021 23:19
#12 RE: Die Bahnhöfe von Avricourt Antworten

Hier noch ein Bild:


Quelle: Das Bild stammt aus dem Bildarchiv der ETH Zürich, eine höhere Auflösung gibt es hier. (Public Domain)

Erbaut von der SACM in Graffenstaden und in Belfort. Baujahre 1885/86. Die Maschinen bewährten sich gut vor leichten Zügen, liefen bis zu 90 km/h und verschwanden erst in den 1930ern schrittweise von den Schienen. Die letzte Maschine schied als 021A 472 erst im März 1945 aus.

Viele Grüße
Bernhard

Stephan Offline




Beiträge: 137

18.02.2021 23:24
#13 RE: Die Bahnhöfe von Avricourt Antworten

Hallo Bernhard

Ja, absolut!

Das ist eine Schwestermaschine. Auch eine tolle Aufnahme und Danke für Deine Ergänzungen mit weiteren Fakten zum Thema! Erstaunlich, dass die letzte Maschine erst 1945 ausgemustert wurde .

Bei der Lok auf der einen Postkarte, sieht man auch eine Art Windschutz im Führerhaus montiert. Scheint eine Art Provesorium zu sein...

Gruß, Stephan

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